Zwei Mitarbeiter in Schutzanzügen breiten einen Big Bag auf dem asbestgedeckten Hallendach in Kassel aus, im Hintergrund der Kran.
Referenzprojekt 2026

Asbest-Wellplatten Kassel – Gewerbehalle

Abgeschlossen: 28. September 2026

Auf einem Gewerbegrundstück in Kassel steht eine Halle mit rund 1.200 Quadratmetern Dachfläche, gedeckt mit Asbestzement-Wellplatten. Die Immobiliengemeinschaft Aust hat uns beauftragt, hier das Asbestdach sanieren zu lassen – gemeinsam mit einem angrenzenden Nebengebäude, dessen Dach mit weiteren rund 130 Quadratmetern dieselben Wellplatten trägt. Zusammen also gut 1.330 Quadratmeter, die herunter mussten, bevor die Halle neu eingedeckt werden konnte.

Ein Asbestdach sanieren heißt nicht abbrechen. Es heißt demontieren, und zwar so, dass jede einzelne Platte heil bleibt. Daran entscheidet sich, wie viele Fasern überhaupt frei werden – eine gebrochene Wellplatte setzt ein Vielfaches dessen frei, was eine sauber abgeschraubte abgibt. Dieser Bericht beschreibt, wie wir in Kassel vorgegangen sind, warum der Kran dabei kein Luxus war und was am Ende mit dem Material passiert ist.

Warum Wellplatten auf Hallendächern fast immer Asbest enthalten

Asbestzement-Wellplatten sind das meistverbaute Asbestprodukt Deutschlands. Zement, Wasser und rund zehn bis fünfzehn Prozent Chrysotil ergaben eine Platte, die leicht, unbrennbar, frostfest und in großer Stückzahl herstellbar war – genau das, was der Hallenbau der Nachkriegsjahrzehnte brauchte. Unter Markennamen wie Eternit gingen sie millionenfach auf Dächer und Fassaden. Umgangssprachlich heißen sie bis heute Wellasbest oder Welleternit, und wer heute nach Eternit Wellplatten entsorgen sucht, meint fast immer genau dieses Material.

Hergestellt wurde es bis zum Asbestverbot, das in Deutschland am 31. Oktober 1993 in Kraft trat. Alles, was vor diesem Datum gedeckt wurde, ist grundsätzlich verdächtig. Ansehen kann man es der Platte nicht: Asbestfreie Faserzementplatten aus den späten Neunzigern sehen praktisch identisch aus. Klarheit bringen entweder das dokumentierte Baujahr oder eine Materialprobe im Labor.

Der Zustand alter Wellplatten macht die Sache nicht besser. Über Jahrzehnte wäscht Regen die Zementmatrix an der Oberfläche aus, Moos und Flechten lockern sie zusätzlich. Fasern, die im intakten Verbund fest eingebunden sind, liegen dann oberflächlich frei. Ein Hochdruckreiniger auf so einem Dach ist deshalb einer der schwersten Fehler, die man machen kann – und leider einer der häufigsten.

Drei Mitarbeiter in Schutzanzügen heben eine Asbestzement-Wellplatte von der freigelegten Dachlattung der Gewerbehalle in Kassel.

Die Ausgangslage in Kassel

Die Halle war über die gesamte Fläche mit grauen Asbestzement-Wellplatten gedeckt, verwittert und großflächig bemoost. Darunter lag eine offene Holzkonstruktion aus Pfetten und Lattung, dazwischen Reste alter Dämmung. Das Nebengebäude schloss unmittelbar an und war in derselben Bauweise ausgeführt.

Entscheidend für die Planung war die Lage. Das Grundstück grenzt direkt an ein Bürogebäude und an Wohnbebauung, die Zufahrt läuft über eine öffentliche Straße. Platz zum Zwischenlagern auf dem Boden gab es praktisch nicht. Daraus folgte die zentrale Entscheidung dieses Projekts: Verpackt wurde nicht unten, sondern oben. Das Material verließ die Dachfläche nur noch in geschlossenen Gebinden.

Asbestdach sanieren: Wellplatten ohne Bruch demontieren

Die Arbeiten liefen nach TRGS 519, der technischen Regel, die Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten an Asbest regelt. Für Dacharbeiten im Freien schreibt sie kein abgeschottetes Schwarzbereichszelt vor, wohl aber emissionsarme Verfahren, qualifiziertes Personal und eine lückenlose Entsorgungskette. Der Ablauf auf dem Dach in Kassel:

  • Zugang über Gerüst und Absturzsicherung, persönliche Schutzausrüstung mit Einwegschutzanzug und Atemschutz für jeden Mitarbeiter im Arbeitsbereich.
  • Big Bags mit Innenfolie direkt auf der Dachfläche ausgelegt, jeweils dort, wo als Nächstes abgedeckt wurde – kurze Wege sind hier eine Sicherheitsmaßnahme, keine Bequemlichkeit.
  • Befestigungen einzeln gelöst und die Platten von der Lattung gehoben, nicht gehebelt und nicht geworfen. Jede Platte wurde von zwei oder drei Leuten geführt.
  • Wellplatten liegend und lagenweise in die Big Bags eingelegt, anschließend die Folie umgeschlagen, verschlossen, verklebt und als asbesthaltiger Abfall gekennzeichnet. Ein gefüllter Big Bag wiegt schnell mehrere hundert Kilogramm.
  • Verschlossene Gebinde mit Hebegurten angeschlagen und per Kran über die Dachkante direkt in den bereitstehenden Container gesetzt.
Zwei Mitarbeiter legen verwitterte Asbest-Wellplatten auf die ausgebreitete Big-Bag-Folie auf dem Hallendach in Kassel.

Der Kran war bei dieser Größenordnung das eigentliche Sicherheitswerkzeug. Über eine Schuttrutsche oder ein Gerüst hätte jedes Gebinde mehrfach umgeschlagen werden müssen, und jeder Umschlag ist eine Gelegenheit für Bruch. Gestellt hat ihn die Gerd Wedekind Baumaschinen GmbH aus Kassel, Liebherr-Werkshändler in der Osterholzstraße. Die Absetzcontainer kamen von der Trillhof Handelsgesellschaft mbH aus der Holländischen Straße.

Mitarbeiter in Schutzkleidung schlägt ein verpacktes Big-Bag-Gebinde mit Hebegurten am Kranhaken auf dem Asbestdach in Kassel an.

Wie wird ein Asbestdach entsorgt?

Asbesthaltiges Material ist gefährlicher Abfall im Sinne des Abfallrechts und läuft unter dem Abfallschlüssel 17 06 05*. Es gehört nicht in den Bauschuttcontainer, nicht auf den Wertstoffhof und nicht in eine Verwertungsanlage. Wellasbest entsorgen heißt: staubdicht verpackt, deutlich gekennzeichnet, auf einer dafür zugelassenen Deponie abgelagert und über das Nachweisverfahren dokumentiert. Der Entsorgungsnachweis ist am Ende das Dokument, das der Eigentümer in der Hand hat – und das einzige, mit dem er belegen kann, wo das Material geblieben ist.

Absetzcontainer an der Straße in Kassel, gefüllt mit verschlossenen und gekennzeichneten Big Bags voller Asbestzement-Wellplatten.

Darf man Wellasbest selbst vom Dach holen?

Das ist die Frage, die uns bei Hallendächern am häufigsten gestellt wird, und die Antwort hängt daran, wer fragt. Eine Privatperson darf am selbst genutzten Eigenheim in engen Grenzen und unter Auflagen tätig werden. Sobald gewerblich gearbeitet wird, jemand beauftragt ist oder das Objekt vermietet oder gewerblich genutzt wird, ist Schluss: Dann braucht es einen Betrieb mit Sachkunde nach TRGS 519, eine Anzeige der Arbeiten bei der zuständigen Behörde und die vollständige Nachweiskette. Bei 1.330 Quadratmetern Gewerbehalle stellt sich die Frage ohnehin nicht mehr – das ist keine Wochenendaufgabe, sondern ein Kraneinsatz.

Ergebnis

Beide Dächer sind vollständig abgedeckt, das Material ist verpackt, verwogen und entsorgt. Die Halle steht auf ihrer freigelegten Holzkonstruktion bereit für die neue Eindeckung, die Nachbarschaft hat von den Arbeiten wenig mitbekommen. Aus dem Auftrag sind inzwischen weitere Folgeaufträge auf demselben Bauvorhaben entstanden.

Sie haben ein Hallen- oder Garagendach mit Wellplatten und wollen ein Asbestdach sanieren lassen? Wir sehen uns das Objekt an, klären die Datierung und planen die Demontage. Mehr zu unserer Arbeit vor Ort finden Sie auf der Seite Asbestsanierung in Kassel. Wenn es Ihnen vor allem um die fachgerechte Entsorgung geht, führt Asbestentsorgung in Kassel weiter. Ein Projekt an der Fassade statt am Dach beschreiben wir unter Asbest-Fassadenplatten an einem Mehrfamilienhaus in Kaufungen.

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